Castrojeriz

22km über Hontanas und San Anton.
Die Meseta ist wirklich eine mentale Herausforderung. Weil es hier IMMER gleich aussieht, hat man das Gefühl nicht wirklich vorwärts zu kommen. Die 11km nach Hontanas haben sich bereits schon wie 20km angefühlt. Und Hontanas wollte und wollte sich am Horizont nicht zeigen. Immer nur diese unendlichen Weizenfelder! Wer isst so derart viel Brot in Spanien???
Und dann in einer Talsenke taucht es plötzlich vor mir auf. Das war ein sehr erhebendes Gefühl!

Ich habe dort eine längere Pause eingelegt und mehrere Leute wiedergetroffen, die gestern auch in Hornillos del Camino waren. Mit Dina, einer Holländerin hatte ich ein sehr nettes Gespräch.
Man trifft immer mal wieder bekannte Gesichter und lernt nach und nach die Namen, Nationalitäten, Berufe und die Wandergeschwindigkeit kennen.
Heute im Laufe des Tages habe ich mehrfach einen jungen Mann getroffen, der mit einem alten selbstgeschnittenen Wanderstab unterwegs ist. Auf dem Wanderstab sind ganz viele Stocknägel von Österreich – wie sie auch mein Opa auf dem Wanderstock hatte – aber auch von spanischen Orten am Camino zu sehen. Ich habe irgendwann gefragt, was es denn mit diesem Stab auf sich habe. Der junge Mann hat mir daraufhin erzählt, daß dieser Stab seinem Vater gehört habe, der inzwischen leider gestorben ist. Sein Vater sei damit immer gewandert, deswegen trage er nun genau diesen Stab. Damit sei sein Vater irgendwie immer bei ihm. Diese Geschichte hat mich sehr gerührt. Das ist im wahrsten Sinne die Umsetzung des Wortes “dein Stecken und Stab trösten mich”.
Wenn ich den Mann mit dem Stab nochmal treffe, mache ich ein Foto von diesem Stab für diesen Blog.
Ich bin hier in einer “Luxusherberge” gelandet. D.h. es gibt Strom, Klopapier eine Dusche mit Licht UND warmen Wasser und: ein Bett mit ganz viel Platz drumherum ohne Etage darüber!
Morgen beginnt der noch härtere Teil der Meseta. Dann gibt es keine Weizenfelder mehr sondern nur noch karge Landschaft mit Geröll. Ich werde morgen noch vor Sonnenaufgang starten um der Hitze ein bisschen zu entkommen. Bis zum nächsten Ziel (Boadilla del Camino) sind es zwar nur 25km, aber die werden es mit einem sehr steilen Anstieg auf die Hochebene in sich haben. Dennoch: ich freue mich sehr auf morgen und es tut mir gut, unterwegs zu sein.

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