Natur-, Orts- und Heimatverbunden

Orts- / Natur- / Heimatverbunden

Heute früh bin ich mit meinem Hund durch den alten Ortskern meines Stadtteils – für mich noch immer ein Dorf – gelaufen. Es war noch ganz früh und wir waren fast unter uns. Ich bin die alten Wege gegangen. Durch die Gässchen, hinter dem Gemeindehaus entlang, durch den Kirchhof, an meinem alten Kindergarten vorbei. Ich habe dabei mindestens drei alte Leute getroffen, die mich noch als kleines Mädchen gekannt haben. Einige davon wissen, wer ich bin – meine Familie ist im Ort alteingesessen und bekannt wie der berühmte “bunte Hund”. Wir kamen ins Gespräch übers Wetter, den alten Ortskern und schließlich wurde mir ganz oft die Frage, wie es denn laufe mit der Selbständigkeit und ob ich zufrieden sei, gestellt. Das rührte mich sehr. Offenbar hat sich im Ort herumgesprochen, was ich mache und wo und seit wann! Mich rührt diese Anteilnahme! Später war ich dort Erdbeeren holen, wo ich als Kind freitags nachmittags verschwunden bin und erst sonntags abends – nach Stall und Landwirtschaft riechend – wieder zu Hause aufgetaucht bin: Die Familie einer Schulfreundin hatte (und hat noch heute) einen Bauernhof. 

Zwischen 10-15 Jahren habe ich dort fast jedes Wochenende verbracht. Ich habe gelernt, mit großen Tieren und kleinen Tieren umzugehen, habe Kühe beim Kalben gesehen, gesehen wie Katzen, Hunde, Schweine, Hühner, Pferde auf die Welt kommen, habe gesehen, wie geschlachtet wird, habe bei den Ernten geholfen, Traktor fahren gelernt, Kühe raus auf die Weide und abends wieder reingetrieben, habe die Melkmaschine anschliessen können und war dort voll integriert. 

Heute tun mir Kinder oft leid, die nicht wissen ob auf dem Feld Getreide wächst oder Kartoffeln, die nicht wissen, dass es Tiere gibt, die geschlachtet werden, die keine Ahnung davon haben,  wie man ein Pferd führt und dass man vor Kühen keine Angst haben muss, die nicht wissen, was Schwalben sind oder den Wechsel der Jahreszeiten nicht an der Natur erkennen können.

Im Hofladen stand heute die Mama meiner damaligen Schulfreundin hinterm Ladentisch. Wir kamen ins Gespräch. Auch hier wusste man längst über meine Selbständigkeit Bescheid. Auch hier die Frage, ob ich denn zufrieden sei. Und während ich erst den Hofhund und danach drei Katzen streichelte, meinte die Mama meiner damaligen Schulfreundin schließlich, sie habe immer gedacht, ich werde mal Tierärztin. Mit Tieren habe ich schon immer am Besten gekonnt, das sei schon immer so gewesen und wird sicherlich auch nicht mehr anders, meinte sie. Das hat mich sehr berührt. Dennoch: ich bin froh, dass ich keine Tierärztin geworden bin. Die schweren Entscheidungen, die zu treffen dieser Beruf mit sich bringt, wären mir zu groß und gewichtig gewesen.

Ich bin froh, dass ich dort groß geworden bin, wo ich groß geworden bin. Mit genau den Menschen, die auch heute noch Anteil nehmen.

Und wer erntefrische Erdbeeren oder Spargel möchte (oder alles Andere, was es auf dem Bauernhof gibt): Bauernladen Benz

 

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