Hundertundeins Panierte-Hund-Rezepte

Vorabrezension zur Neuerscheinung einer Rezeptesammlung der besonderen Art. Herausgeber und verantwortlicher Autor: Albert Emil vom Seebachtal. Erscheinungsdatum voraussichtlich Frühsommer 2014. Auszug aus einem Interview mit dem Herausgeber:

“…
Wie kamst Du – ich darf doch Du sagen – auf die Idee eine Rezeptsammlung dieser Art herauszugeben?
Jaja, das mit der Anrede ist schon in Ordnung, mich mit meinem vollen Adelsnamen anzusprechen ist zu umständlich. Die Idee hatte ich schon ganz früh, als ganz kleiner Hund. Im Seebachtal hatte ich viele Möglichkeiten, meine Kreativität auszuleben und mich mit den Haupzutaten wie Wasser und Sand, vertraut zu machen und auszuprobieren.

Hatte denn niemand etwas dagegen? Zu viel Panade im Kleinhundefell, das sorgte doch sicher für Widerstand und Aufregung bei Deinen Züchtern, oder?
Ja, schon, doch der Trick ist bis heute: Du musst einfach schneller sein! :-)

Gab es denn keine Konsequenzen?
Als ich mit den Panadeexperimenten begann, war es Sommer und es gab immer die Gelegenheit in einen kleinen Hundepool mit Wasser zu springen. Da konnte ich dann selbst dafür sorgen, daß ich mein Fell kurzzeitig in den Ausgangszustand zurückversetzen konnte. Das Geschrei und Gestöhne seitens meiner Aufpasserin war groß, weil ständig frisches Wasser in die Bademuschel geschleppt werden musste. Die Züchter hatten dort keinen Schlauch und meine Geschwister teilten meine Ansätze der Panadenkunst. Aber ein niedlicher Blick genügte, dann war alles wieder gut. Das war und ist bis heute nicht schwierig.

Und dann hast Du die Kunst des Panierens weiter ausgebaut?
Genau! Ich habe im Seebachtal herausgefunden, daß auch Wiesen am frühen morgen schön nass sind…. falls mal kein Wasser vorhanden war, war das eine gute Alternative. Das ist auch bis heute einer meiner Hauptmethoden. Ich lebe hier in der Nähe eines Sees mit vielen Wiesen, Feldern und mit vielen Bächen drumherum, die alle sehr flache Zugänge haben. Man könnte meinen, ich darf ständig ins Wasser, doch da mir das nicht immer möglich ist, lohnt sich ein gestreckter Galopp über eine Wiese oder ein kurzes Wälzen im Gras sehr. Ausserdem regnet es ja auch gelegentlich!

Darfst Du denn nicht ins Wasser?
Offiziell und mit Erlaubnis leider nur noch ganz selten. Dafür gibt es angeblich mehrere Gründe, die mir allerdings alle nicht einleuchten.

Welche Gründe sind das?
Ach, alles Quatsch: Zum Einen ist es nun Herbst und das Wasser ist angeblich zu kalt, zum Anderen will man mir das Grundrezept für die Panade verweigern, da überall die Äcker gepflügt sind und ich dann über allerfeinsten Erdboden mit Saatgut für die Wintergerste verfügen könnte… Außerdem finde ich Enten derzeit so spannend, dass ich denen gerne mal zeigen möchte, wie schnell ich schwimmen kann. Meine Vorfahren haben schließlich Enten aus dem Wasser apportiert.

Aber nur geschossene.
Das halte ich bis heute für ein Gerücht. Ich glaube, Entenjäger schießen nur mit Platzpatronen und warten dann, bis der treue Retriever ins Wasser geht und selber welche fängt.

Doch diese Einschränkungen haben auch Deine Kreativität sehr gefördert, oder?
Ja, allerdings! Zumal meine derzeitige weitere Einschränkung die Schleppleine ist.

Wieso musst Du eine Schleppleine tragen?
Weil ich nun angeblich im Flegelalter bin und der Rückruf so gut wie gar nicht funktioniert. Dabei ruft die Chefin aber auch nicht laut genug! Von der Seniorchefin ganz zu schweigen, die führe nämlich ICH spazieren. Sie sollte dabei mit Leckerchen winken und ein wenig auf und abhüpfen, ich will doch schließlich auch meinen Spaß! Außerdem finde ich dieses ewige “Hiiier” klingt in meinen zarten Hundeohren sehr unhöflich. Die könnten wenigstens ein “Bitte Hiiier” daraus machen!

Haben sich die Panadenrezepte durch das Tragen der Schleppleine verändert?
Ich würde sogar sagen, sie haben sich verbessert. Ich habe nun nicht immer die Reichweite um mein Fell komplett im Gras anzufeuchten, dadurch entsteht bei der Panade eine interessante Fleckentechnik. Ausserdem kann man sich auch prima danach im Stroh wälzen, wenn kein Sand vorhanden ist. Aber ich möchte nicht zuviel verraten…

Ja, schließlich sollen die künftigen Leser sich noch auf einige Sensationen bezüglich der Rezeptsammlung freuen. Warum erscheint das Buch erst im Frühsommer?
Weil man mir von “Schnee” und “Winter” erzählt hat und ich mir davon erstmal ein Bild verschaffen möchte, inwieweit mich diese Wetterlage in der Panadenentwicklung vorantreiben wird.

Insgesamt hören sich Deine Aussagen bezüglich Deiner Chefinnen doch eher etwas nüchtern an. Fühlst Du Dich in Deiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt?
Mit meinen Chefinnen und meinem zu Hause bin ich sehr zufrieden und dort sehr glücklich. Ich habe viel Platz, einen Job, mit mir wird gespielt, geübt und ich werde gestreichelt. Von der Haustür sind es nur 5 Meter bis zum nächsten Acker und ich habe sogar einen eigenen Garten am Haus in dem ich mich frei und ohne Leine bewegen darf! Ich finde, ich habe es sehr gut getroffen und meine künstlerischen Interpretationen nehmen meine Chefinnen meist mit Humor. Sicher hätte ich gerne mehr Freiheiten, noch mehr Aufmerksamkeit und mehr Leckerchen und größere Futterrationen. Aber das Leben ist keine Wurfkiste! Dennoch: Ich arbeite daran. Aber: Ich sehe auch schon ein, dass ein tieferer Sinn hinter dem Handeln der Chefinnen steckt, auch wenn ich ihn nicht immer verstehe.

Du hast einen Job?
Ja! Die Tätigkeitsfeldbeschreibung wurde mir zwar nicht vorgelegt, aber ich bin dreimal die Woche mit meiner Chefin in der Klinik. Vormittags liege ich oft unterm Schreibtisch und schlafe, oder ich bin bei einer wichtigen Besprechung dabei (laaangweilig!) mittags gibt es eine 20-Minuten-Runde und ein bisschen Futtersuchen, nachmittags besuchen wir Patienten oder ich darf einfach über die Station stolzieren, wo man mich kennt, schätzt und bewundert! Manchmal sind die dort etwas merkwürdig und es riecht oft sehr komisch und die Böden sind sehr glatt, aber insgesamt ist es ein einfacher Job. Ab und zu habe ich auch stundenweise das Büro ganz alleine für mich, dann nutze ich die Gelegenheit und surfe ein bisschen im Internet.

Und was machst Du an den anderen Tagen?
Ach, da gibt es immer viel zu tun! An zwei Tagen unter der Woche bin ich bei der Seniorchefin und dem Seniorchef. Dort geht es ganz gemütlich zu, ich liege auf dem Teppich im Wohnzimmer und gucke durch die große Terrassentür den Vögeln zu, oder ich grabe ein bisschen im Garten, ich bekomme morgens immer vom Seniorchef ein Stückchen Apfel und wenn ich brav bin und nicht so aufdrehe, gibt man mir manchmal eine Karotte zum Kauen. Ich habe an diesen Tagen viel Zeit für meinen Schönheitsschlaf und über weitere Panaden-Kombinationen nachzudenken. Ausserdem habe ich zweimal wöchentlich Hundetreffen in der Hundeschule, meine Ausbildung nehme ich sehr ernst!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit dem Buch!
Gern geschen!

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Eine Antwort auf Hundertundeins Panierte-Hund-Rezepte

  1. Ursula und Volker Schlindwein sagt:

    Ach Emil, Du hast ganz vergessen, dass wir beide unsere Vögel im Garten füttern.
    Dabei prüfst Du jedes Mal den Wasserstand der Vogeltränke, was zu Folge hat,
    dass ich, genannt “Seniorenchefin”, wieder die Gießkanne und Bürste beischleppe um Deine Sandspuren in der Vogeltränke zu beseitigen.
    Und dann lauerst du, ganz gemein hinter dem Busch und schnappst Dir die leere Gießkanne… denn damit kann man wunderbar spielen… rumschleudern, ankauen, draufspringen, dieses Kunststoffding macht auch gewaltig Krach, was unser Nachbarshund überhaupt nicht verstehen kann… er ist ja auch ein alter Knacker!
    Das geht solange gut, bis die Seniorchefin den blöden Ball holt… völlig doof, der macht kein Krach und gibt keine Geräusche von sich.
    Die Gießkanne ist viel besser… und bald bringt mir der Seniorchef das Trompetensolo mit der Gießkanne bei – das wird lustig.
    Wenn sich alle freuen, dann freue ich mich mit und habe dann, wie die Seniorchefin immer sagt, “meine dolle 5 Minuten”.

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